7 Moderne Sportdramen

Dass Sportfilme den Nerv der Zuschauer treffen können, dürfte vor allen Dingen das Rocky-Franchise schon längst bewiesen haben. Mit Creed 2 startete 42 Jahre später der bereits 8. Teil, der in dem Universum des Boxers Rocky Balboa spielt.

Für die klassischen Underdog- und Aufstiegsstorys bietet das Sportgenre den wohl perfekten Rahmen und nicht all zu selten müssen sich Filme dabei bloß bei der Realität bedienen.

Derzeit läuft mit „Fighting with My Family“ ein Biopic in den Kinos, das von WWE-Wrestlerin Paige und ihrer Wrestling-Familie handelt. Wie so viele Sportfilme vereint er Themen wie Ehrgeiz, Disziplin und Leidenschaft, aber er geht eben auch weiter und spricht Familie, Zusammenhalt und sogar ein wenig Coming-of-Age an.

Den Kinostart möchte ich mir zum Anlass nehmen, ein paar moderne Sportdramen vorzustellen, um die Vielseitigkeit des Genres aufzuzeigen, denn sie können oft sogar deutlich mehr sein, als nur Hau-Drauf-Unterhaltung und leichte Kost über immer dieselben Themen. Und dass es ihnen dennoch gelingen kann, sich für einen Film zu begeistern, obwohl man mit der behandelten Sportart nichts zu tun hat.

Dafür hebe ich die Eigenschaften und Besonderheiten meiner Auswahl heraus, persönliche Wertungen und Kritiken werdet ihr hier aber nicht finden, ich werde sie jedoch zu jedem einzelnen Film verlinken. Checkt diese also gerne aus!


„Moneyball“ – 2011

Sportart: Baseball

Inhalt

Der General Manager der Oakland A’s bekommt bloß sehr begrenztes Budget für die nächste Saison und stellt dennoch erfolgreich einen neuen Kader zusammen, in dem er durch eine neue Art von Computeranalysen günstig Spieler verpflichtet.

Fakten

Allein schon das Aufgebot dürfte den Film interessant machen: Mit Brad Pitt in der Hauptrolle hat man einen Hollywood-Hochkaräter, um den es zwar lange Zeit ruhig war, der hier aber durchaus eine angenehme Überraschung ist und sogar eine Oscarnominierung bekam. Begleitet wird er von Stars wie Jonah Hill (ebenfalls für den Oscar nominiert), Philip Seymour Hoffman, Robin Wright oder einem noch unbekannten Chris Pratt.

Verantwortlich für das Drehbuch sind Steven Zaillian (Schindler’s Liste, Mission Impossible) und Stan Chervin, bevor es Regisseur Bennett Miller (Capote, Foxcatcher) zur Überarbeitung Aaron Sorkin anvertraute (The Social Network, Molly’s Game). Bei solch starken und bereits prämierten Writern war es also kein Wunder, dass es hierfür ebenfalls eine Oscarnominierung gab. Schließlich runden weitere Nominierungen für den besten Schnitt, die beste Tonmischung und den besten Film zu insgesamt 6 ab, von denen kein einziger gewonnen werden konnte.

Besonderheiten

Der Film ist eine Aufsteiger-Story nach wahren Begebenheiten und befasst sich mit einem Baseball-Team und seinem Manager, den alle abgeschrieben haben und für seine fragwürdigen Entscheidungen verurteilen. Die Hauptfigur wird immer wieder mit Zweiflern konfrontiert und setzt alles daran, sich durchzusetzen. Er möchte nämlich etwas anders machen und die Sportart revolutionieren.

Zur persönlichen Kritik und Wertung

Enthalten in Netflix


„Foxcatcher“ – 2014

Sportart: Ringen

Inhalt

Die Brüder und Olympia-Sieger im Ringen Mark und Dave Schultz treten dem Team „Foxcatcher“ bei, das vom exzentrischen Multi-Millionär John du Pont angeführt wird. Gemeinsam trainieren sie für die Olympischen Spiele 1988 in Seoul, als John’s zerstörerisches Verhalten zu Problemen führt.

Fakten

Wieder sind wir bei Regisseur Bennett Miller, der in Cannes hierfür den Preis für die beste Regie gewann und von den Oscars dazu nominiert wurde. Wieder hatte er fähige Autoren um sich, E. Max Frye und Dan Futterman, die ebenfalls nominiert wurden. Und schon wieder konnte der Film keinen Oscar gewinnen, trotz seiner 5 Nominierungen. Weitere gab es nämlich für Make-Up und Frisuren, Steve Carell und Mark Ruffalo. Wo wir auch schon beim Cast sind, denn diese beiden Stars werden noch mit Channing Tatum ergänzt, der zusammen mit Mark die beiden Brüder verkörpert, während Steve Carell als Millionär unter der Maske kaum wiederzuerkennen ist.

Besonderheiten

Wer einen leichten, unterhaltsamen Film erwartet, ist hier vollkommen falsch. Denn „Foxcatcher“ ist im Prinzip das genaue Gegenteil, so stellt er durchaus Arthouse-Ansprüche, lässt sich viel Zeit und ist aber sehr stilvoll inszeniert. Feel-Good-Atmosphäre, wie man sie noch eher bei „Moneyball“ hatte, sucht mach hier vergebens. Viel mehr bekommt man ein erdrückendes Drama nach wahren Begebenheiten, dass einem auf die Magengrube schlägt, eine beklemmende Stimmung erzeugt und einem den Boden unter den Füßen wegziehen kann. Der Film begibt sich in sehr untypische menschliche Sphären, bei der man sich bloß an der (einzig normalen) Figur von Mark Ruffalo festhalten kann.

Tipp: Wer sich drauf einlassen möchte, dem empfehle ich, ihn sich möglichst ohne Vorwissen anzuschauen!

Zur persönlichen Kritik und Wertung


„Warrior“ – 2011

Sportart: MMA – Mixed Martial Arts

Inhalt

Der jüngste Sohn eines alkoholabhängigen, ehemaligen Boxers kehrt zurück nach Hause, um sich von seinem Vater für eines der größten MMA-Turniere trainieren zu lassen. Dies führt ihn auf Kollisionskurs mit seinem älteren, zerstrittenen Bruder, der ebenfalls teilnimmt.

Fakten

Der Film floppte an den Kinokassen. Bei einem Produktionsbudget von 25 Mio. US-Dollar konnte er bloß 23 Mio. US-Dollar wieder einspielen. Wenn man bedenkt, dass beim Budget das Marketing noch nicht mal mit einberechnet ist, dürfte der Film stark in den roten Zahlen stehen.

Das verwundert jedoch, so hatte Regisseur Gavin O’Connor (The Accountant) doch ein richtiges Star-Aufgebot: Neben Nick Nolte, der für den Oscar nominiert wurde, besetzten die beiden Hauptrollen Tom Hardy und Joel Edgerton, die zu Unrecht von jeglichen Awards übergangen wurden.

Besonderheiten

Auf den ersten Blick und über weite Strecken scheint sich hier eine klassische Außenseiter-Story anzubahnen. Dies ändert sich jedoch schnell, umso näher der Film seinem Finale entgegenläuft, denn spätestens dann wird aus ihm viel mehr ein herzergreifendes Familiendrama, bei dem der Sport bloß ein Vehikel für die Emotionen ist. „Warrior“ ist das beste Beispiel für einen Kampfsportfilm, der für deutlich mehr Tiefgang sorgen kann und setzt die Sport-Elemente in Symbiose mit emotionalem Drama, das Themen behandelt, die jeden Menschen betreffen. Außerdem schafft er es auf phänomenale Weise zwei Figuren gegeneinander laufen zu lassen, mit denen man beiden sympathisiert und sich letztlich nicht entscheiden kann, auf wessen Seite man sich schlägt.

Zur persönlichen Kritik und Wertung


„The Wrestler“ – 2008

Sportart: Catchen

Inhalt

Der in die Jahre gekommene und vereinsamte Wrestler Randy „The Ram“ Robinson muss nach einem Schicksalsschlag seine Karriere beenden und versucht sein Leben außerhalb des Rings wieder in Ordnung zu rücken.

Fakten

Die Hauptrolle von Mickey Rourke spiegelt wunderbar seine Werdegang wider. Im Herbst seiner Karriere holte ihn dieser Film maßgeblich aus der Bedeutungslosigkeit wieder zurück und brachte ihm seinen ersten Golden Globe- und BAFTA-Award, sowie seine erste Oscarnominierung ein. Ebenfalls nominiert wurde Marisa Tomei und das zeigt, das Regisseur Darren Aronofsky (Requiem for a Dream, Black Swan, Mother!) das perfekte Händchen für seine Darsteller hatte.

Besonderheiten

„The Wrestler“ läuft auf ein Finale hinaus, das unumgänglich ist. Jeder weiß, wie es enden muss und gerade das gibt dem Film seine emotionale Tragweite. Zudem behandelt er die Vereinsamung eines in die Jahre gekommenen Stars, dem nichts mehr bleibt als sein großer Name. Sein ganzes Leben hat er dafür aufgeopfert und er sieht sich nun immer mehr damit konfrontiert, dass sein privates, menschliches Dasein diesem öffentlichen, symbolischen Dasein gewichen ist. Jeder kennt immer noch „The Ram“ und seinen Special-Move, den „Ram Jam“, aber wer genau war nochmal Randy Robinson? Definitiv jemand, der versäumt hat, auch diesen Namen mit Leben zu füllen.

Zur persönlichen Kritik und Wertung


„Rush“ – 2013

Sportart: Automobilsport

Inhalt

Das biografische Drama behandelt die verbitterte Rivalität der Formel 1 Fahrer Niki Lauda und James Hunt.

Fakten

Hollywood-Veteran Ron Howard (Apollo 13, A Beautiful Mind, Solo: A Star Wars Story) nahm sich Drehbuch-Autor Peter Morgan (Bohemian Rhapsody) und Komponist Hans Zimmer zur Seite und besetzte die Hauptrollen mit Chris Hemsworth (Thor) und Daniel Brühl (Inglorious Basterds).

Besonderheiten

„Rush“ rückt eine ganz spezielle Rivalität in den Fokus. Sie geht von zwei komplett gegensätzlichen Figuren aus und verleiht dem Film seine Dynamik. Schließlich wird die Ambivalenz einer Rivalität und besonders dessen ebenfalls vorhandenen positiven Auswirkungen herausgestellt.

Hinzu kommen dann noch Niki Laudas Unfall und der Umgang mit seiner Verletzung.

Zur persönlichen Kritik und Wertung

Enthalten in Netflix


„I, Tonya“ – 2017

Sportart: Eiskunstlaufen

Inhalt

Eiskünstläuferin Tonya Harding nähert sich, trotz ihrer unkonventionellen Art, dem Höhepunkt ihrer Karriere an, als sie sich mit dem Attentat auf ihre direkte Konkurrentin konfrontiert sieht, mit dem sie in Verbindung gebracht wird.

Fakten

Neben Nominierungen für den Schnitt und Hauptdarstellerin Margot Robbie gewann Allison Janney ihren ersten Oscar, durch ihre Verkörperung von Tonyas Mutter.

Besonderheiten

„I, Tonya“ nutzt die Mittel einer Mockumentary, um die ambivalente Figur der Tonya Harding zu porträtieren. Er hebt eine ganz spezielle Mutter-Tochter-Beziehung hervor und baut darauf auch starke Comedy-Elemente auf. Schließlich geht der Film behutsam mit dem eigentlichen Drama um und lässt Schuldzuweisungen offen, weshalb er es richtigerweise dem Zuschauer überlässt, sein eigenes Bild von der ganzen Problematik zu machen.

Als einziger Film in diesem Beitrag liegt hierzu noch keine Review vor, da ich ihn direkt beim Erscheinen gesehen habe, daher exklusiv hier eine knackige Kurzkritik:

Kritik

Der Film ist super unterhaltsam und vermischt starke Comedy mit ernstem Drama. Das und die hervorragende Nutzung von Mockumentary-Stilmitteln macht ihn zu einem einzigartigen Biopic, welches keine Langeweile aufkommen lässt und durch seine großartigen Darstellerinnen brilliert.
– 9 von 10 Punkten –

Enthalten in Amazon Prime


„The Fighter“ – 2010

Sportart: Boxen

Inhalt

Der aufstrebende Boxer Micky Ward versucht aus dem Schatten seines angeseheneren, aber problembeladenen, älteren Bruder zu treten und zu seinem eigenen Erfolg zu kommen.

Fakten

Regisseur David O. Russell (Silver Linings, American Hustle) sorgt wieder einmal für einen Ensemblefilm und scharte dafür Mark Wahlberg, Christian Bale, Amy Adams und Melissa Leo um sich. Prompt gab es Oscar-Nominierungen für Bester Film, Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch, Bester Schnitt und für Amy Adams, sowie Auszeichnungen für Christian Bale und Melissa Leo.

Besonderheiten

Während „The Fighter“ zu Anfang eine klassische Aufsteiger-Story nach wahren Ereignissen anmuten lässt, behandelt er viel mehr die Probleme im privaten Umfeld der Hauptfigur. Die sieht sich mit seiner ganzen Familie konfrontiert, die nach ihrem Ermessen für ihn darüber entscheidet, was für ihn am besten ist. Darüber hinaus steht er auch noch im Schatten seines älteren Bruders, der an Drogen und Kriminalität kaputt geht und dadurch ebenfalls heruntergezogen wird.

Zur persönlichen Kritik und Wertung

6 Kommentare zu „7 Moderne Sportdramen

Gib deinen ab

  1. Die drei Kampfsportfilme hab ich nicht gesehen, von den anderen finde ich Rush mit Abstand am besten, auch wenn du den ja mehr solide als gut fandest. Die anderen halten da nicht mit, weil sie entweder unterinszenieren, aus der falschen Perspektive erzählen oder komplett überinszenieren. Schöne Übersicht, der wichtigsten Sportfilme der letzten Jahre.

    Gefällt 2 Personen

  2. Unbedingt noch anschauen, die Kampfsportfilme sind hier ganz klar die Highlights!
    Was du eben über die Inszenierung sagst stimme ich dir zu und so ging es mir eben schon bei Rush.
    Außer vielleicht bei I, Tonya, den man zwar als überinszeniert wahrnehmen könnte, aber wo mich der einzigartige Stil stark angesprochen hat, weil es mal ein mutiges Biopic der ganz besonderen Art war

    Gefällt mir

    1. Danke 🙂
      Ja stimmt, an den habe ich gar nicht gedacht, meine ausgewählten Filme habe ich bis auf I, Tonya halt alle innerhalb der letzten 3 Wochen gesehen 🙂
      Blind Side würde hier auch hinein passen, wobei der halt schon sehr nach Schema F ist. Aber den mag ich auch sehr gerne, trotz der Vorwürfe die er sich gefallen lassen muss (reiche, weiße Frau rettet armen, schwarzen Mann), auf die ich aber nicht so viel Wert lege

      Gefällt 1 Person

  3. Sehr schöne Auswahl. Ein paar der Filme stehen bei mir nach wie vor aus. „The Wrestler“ fand ich im Vergleich zu den anderen genannten dann doch eher zäh und schwierig. „Rush“, „I, Tonya“ und „Warrior“ sind jedoch stark 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. ja kann ich mehr als verstehen, der ist eben sehr trocken, aber wie ich finde auch sehr ehrlich und mir gefällt die Herangehensweise von The Wrestler..
      I, Tonya und Warrior sind für mich aber auch mit Abstand meine Highlights

      Gefällt 1 Person

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