Filme der letzten 5 Jahre, über die man noch in 20 Jahren reden wird

Eigentlich war dieser Beitrag früher geplant. Doch kamen letzte Woche bereits drei Beiträge an drei Tagen heraus und so wollte ich die Woche nicht noch mehr überladen und habe diesen Beitrag lieber ein paar Tage nach hinten verschoben.


Für heute habe ich mir Filme herausgesucht, über die man wohl noch in 20 Jahren reden dürfte und die den Test der Zeit überleben könnten.

Dass aber beispielsweise ein „The Dark Knight“ (2008) nicht nur inszenatorisch und durch seinen düsteren, realistischen Ansatz, sondern auch durch die ikonische Performance von Heath Ledger dann immer noch im Gedächtnis bleiben wird, dürfte wohl keine all zu waghalsige These mehr sein. Oder ein „The Avengers“ (2012), der erstmals in der Filmgeschichte ein so großes Filmuniversum verwoben und in die Gänge geleitet hat. Auch abseits der Superhelden gibt es dieses Jahrhundert zahlreiche Beispiele, wenn man allein die ganzen Tarantino-Filme betrachtet oder einen „The Wolf of Wall Street“ (2013), bei denen Martin Scorsese nochmal alles aufgefahren hat wozu er fähig ist und in die heutige Zeit transponiert hat.

Ich könnte mich da in zahllosen Filmen verlieren, die Klassiker-Potential haben, aber ich werde mir daher bewusst eine Grenze setzen, da das Spekulieren nämlich ein wenig mehr Spaß machen wird bei Filmen, die noch nicht so alt sind.

Nun aber genug Vorgeplänkel und los geht’s mit dem eigentlichen Thema: Ich stelle meine Wahl der Filme vor, die man in den letzten 5 Jahren gesehen haben sollte und die den Test der Zeit bestehen könnten. Da es aber auch hier zahlreiche Möglichkeiten gibt, werde ich meine Gedanken zu den einzelnen Filmen in wenigen Sätzen kurz fassen, um noch mehr Filmen hier Raum gewähren zu können.


„Moonlight“ (2016)

Nicht nur die Verwechslung bei den Oscars, sondern auch die starke Inszenierung um das Leben der afro-amerikanischen Hauptfigur herum dürfte unvergessen bleiben. Darüber hinaus eine sehr authentische und ergreifende Milieu-Studie.

„Get Out“ (2017)

Noch nie zuvor dürfte ein Film den Alltagsrassismus so subtil wie hier als Horror verpackt haben. Allein schon wegen dieses klugen und kreativen Ansatzes bietet er viel Potential für einen Horror-Klassiker, auch wenn er für mich viel mehr ein Psycho-Thriller ist. Hinzu kommt, dass er als Erstlingswerk den Startschuss für eine große Filmkarriere von Jordan Peele geben dürfte, der auch prompt einen Oscar für das beste Originaldrehbuch erhielt.

„Call Me by Your Name“ (2017)

Sicherlich, der Film dürfte durch seine träge Erzählweise, die besonders in der ersten Hälfte auffällig ist, einige abgeschreckt haben und dennoch: Ein wichtiger Film der heutigen Zeit, der eine homosexuelle Liebesgeschichte so intim und tiefgehend erzählt wie kaum ein anderer.

„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ (2017)

Er dürfte wohl 2018 bei den Oscars Sieger der Herzen geworden sein und das zu Recht: Neben den großartigen schauspielerischen Leistungen setzt seine tragische Ausgangsgeschichte den Grundstein dafür, die Gesellschaft und ihre Zustände in Staaten wie Misssouri zu ergründen und schafft es sich sehr klug mit einem „dummen Rassistenschwein“ auseinanderzusetzen, der hier sogar richtig Charakter verliehen bekommt.

„Blade Runner 2049“ (2017)

Ob „Sicario“, „The Arrival“ oder eben „Blade Runner 2049“: Wenn die letzten Jahre einen großartigen Regisseuren für Blockbuster der anderen Art hervorgebracht haben, dann dürfte das Denis Villeneuve sein. Der Kanadier traute sich 55 Jahre später an eine Fortsetzung, machte „Blade Runner“ zeitgerecht und schaffte es das Universum noch weiter auszubauen und mit weiteren philosophischen Ideen zu ergänzen. Ein audiovisuelles Meisterwerk der heutigen Zeit!

„Planet der Affen: Survival“ (2017)

Der würdige Abschluss einer großartigen Reihe. Man kann die neuen Filme mögen oder nicht, aber allein visuell haben sie einen neuen Standard gesetzt, was Motion Capture angeht und so ihrer Hauptfigur Caesar unglaublich viel Profil verpasst.

„Whiplash“ (2014)

Natürlich auch eine sehr persönliche Wahl, aber allein schon dafür, dass er den Startschuss für den aktuell hellsten Hollywood-Jungstar auf dem Regiestuhl gab, wird man noch über ihn reden. Aber wie sollte man darüber hinaus den terrorisierenden Musiklehrer vergessen, der einen 106 Minuten lang unter Strom setzt. Der intensivste Film den ich je gesehen habe.

„The Grand Budapest Hotel“ (2014)

The Most Wes-Anderson-Movie yet. Großartiger Ensemble-Film, Wes Anderson feuert hier alle Geschütze ab und ist auf seinem Höhepunkt.

„Nightcrawler“ (2014)

Jake Gyllenhaal’s durchdringender Blick bleibt unvergessen und die schockierende, gesellschaftskritische Note ist so aktuell wie nie, so könnte sie es wohl auch in paar Jahren noch sein.

„Your Name.“ (2016)

Allein schon deshalb, weil er noch einige Zeit zu den erfolgreichsten Filmen Japans aller Zeiten zählen dürfte.

„Interstellar“ (2014)

Der wohl eindeutigste Film in dieser Liste, über den man wohl kaum noch Worte verlieren brauch. Christopher Nolan versetzt damit das Science-Fiction-Genre in die heutige Zeit und das in epischen Ausmaßen.

„Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ (2014)

Zum Abschluss der Film, dem ich es sogar am meisten zutraue, zu einem waschechten Klassiker heranzureifen. Schon durch seine Inszenierung sticht er heraus, so wirkt er so, als würde er ohne einen einzigen Schnitt auskommen und passt sich damit seinem Schauplatz an: dem Theater. Wunderbar nimmt dieser Film das Schauspiel-Business aufs Korn und schlägt dabei auch Brücken zur Realität (Michael Keaton verkörperte vor 30 Jahren Batman und geriet danach allmählich in Vergessenheit – in Birdman spielt er die Hauptfigur, die ein sehr ähnliches Schicksal ereilt).


Damit sind wir am Ende. Wie gefällt euch meine Auswahl, stimmt ihr mir bei den Filmen zu oder gibt es einen, bei dem ihr widersprechen würde? Habe ich vielleicht noch einen Film vergessen?
Lasst es mich wissen und diskutiert gerne in den Kommentaren mit mir!

6 Kommentare zu „Filme der letzten 5 Jahre, über die man noch in 20 Jahren reden wird

Gib deinen ab

  1. Oha!
    Auch wenn ich einige deiner Kandidaten sehr mag, glaube ich nicht, dass außer über „Interstellar“ noch über irgendeinen davon auch nur in 5 Jahren noch großartig gesprochen wird. Nightcrawler??? Den kennt doch so gut wie niemand. Ich denke Voraussetzung, dass die Leute in Zukunft über einen Film sprechen ist, dass sie ihn kennen. 😉

    Gefällt 1 Person

  2. Coole Kategorie.
    Sehe es ähnlich wie Ma-Go (dass es das noch gibt). Über Nightcrawler redet leider bereits heutzutage niemand mehr.
    Your Name wird vom nächsten Anime abgelöst und ist hier in Europa auch nur Nischenprodukt. Er ist sehr gut und emotional, aber wenn es nicht gerade um Körpertausch-Filme geht, dann sehe ich da wenig Hoffnung auf einen gesellschaftlichen Diskurs.
    Grand Budapest Hotel wird nur als ein weiterer Wes Anderson in die Geschichte eingehen und meiner Meinung nach nicht als „der“ Wes Anderson schlechthin.
    Bei Planet der Affen allenfalls die ganze Reihe, wird sich aber auch im Sande verlaufen, sobald die Technik noch weiter voranschreitet.
    Blade Runner 2049 wird nicht aus dem Schatten Blade Runners hinaustreten (und sei es allein wegen Jared Leto).
    Call Me By Your Name und Three Billboards sind zu sehr Nische; machen zwar vieles richtig, aber nichts so herausragend, dass es in zwanzig Jahren noch herausgestellt wird.
    Bei Moonlight wage ich keine Prognose. Kommt auch stark darauf an, wie sich Rassismus und Homophobie in den nächsten 20 Jahren entwickeln.

    Whiplash wird seinen Platz im Zenit des Filmbusiness‘ finden, da bin ich mir recht sicher. Interstellar kann ich mir auch gut vorstellen; Get Out kommt drauf an, was noch so an Horrorfilmen herauskommt.

    Allerdings werden wir erst in 20 Jahren sehen, wie die Welt dann ausschaut. Ich bin gespannt und vielleicht lesen wir uns an dieser Stelle wieder 🙂

    Gefällt 2 Personen

    1. Wir sind in letzter Zeit auffällig oft einer Meinung. Lies dir mal die Kommentare unter eurem Podcast durch.

      Bei Whiplash bin ich mir nicht sicher wie bekannt der wirklich ist. Jeder, den ich kenne und der den Film gesehen hat, mag ihn.
      Aber bei weitem nicht jeder, den ich kenne hat den Film gesehen oder auch nur davon gehört.

      Gefällt 2 Personen

      1. Zwei blinde Hühner finden auch mal dasselbe Korn.

        „Aber bei weitem nicht jeder, den ich kenne hat den Film gesehen oder auch nur davon gehört.“

        Ist die Frage, wie man das ganze definiert. Whiplash bin ich jedenfalls der Meinung, dass er – wenn schon nicht als Klassiker – jedenfalls stehts als großer Tipp unter Cineasten (blödes Wort) gelten wird und er sich so seinen Weg in das kollektive Filmgedächtnis bahnen wird.
        Ihn nicht gesehen zu haben, schützt nicht vor dem Klassikerstatus (Blade Runner dürften heutzutage auch nicht so viele gesehen haben); das mit dem nicht kennen wiegt schon schwerer. Allerdings denke ich, dass er sich darüber hinwegsetzen wird und er den Status in zwanzig Jahren durchaus zu erlangen im Stande ist.

        Gefällt 1 Person

    2. Danke für deine ausführliche Antwort 🙂
      Ich werde hier einfach mal auf euch beide eingehen 😀 Erst einmal kann man eh nur spekulieren, da wollte ich einfach mehrere Kandidaten ins Rennen schmeißen, so klein die Chance auch ist, dass sie ihre Anerkennung beibehalten. Zum Anderen wäre es auch nicht das erste Mal, dass ein Film erst über die Zeit seine Anerkennung erhielt und später sogar mehr darüber geredet wurde als zu der Zeit als er heraus kam. Außerdem finden sich hier persönliche Einschübe wie z.B. Nightcrawler oder Call Me by Your Name, aber auch entgegen meiner persönlichen Wertschätzung wie z.B. Moonlight. Ich wollte ein breiteres Spektrum abdecken, denn einfach nur Interstellar zu nennen wäre wohl das Leichteste gewesen. Schon wie in der letzten Woche mit meinen Lieblingsklassikern soll auch hier ein wenig meine Vorliebe herauskommen, wodurch ich mich etwas näher vorstellen kann 🙂

      Whiplash ist vielleicht nicht so bekannt, aber dadurch dass jeder der ihn sieht ihn mag und er in der Spitze der Branche seinen Platz gefunden hat, wird man ihn sicher auch in einigen Jahren noch einer Person empfehlen, die ihn nicht kennt.

      Natürlich kann man nicht voraussehen, was noch kommt, aber in einer Vielzahl an Filmen aktuell über Rassismus und Homophobie, stechen Filme wie Moonlight und Get Out hervor und fangen auch gut den aktuellen Zeitgeist ein, weshalb sie durchaus noch weiter diskutiert werden könnten.

      Nightcrawler – ich gebe zu, der ist selbst jetzt noch weit unter dem Radar und hat die wohl geringsten Chancen – hoffe ich einfach, dass er mit der Zeit neu entdeckt und gewertschätzt wird. Und wer weiß, vielleicht blickt man in einigen Jahren auf die Karriere von Jake Gyllenhaal zurück und muss zwangsläufig über seine überragende Performance in diesem Film stolpern.

      Planet der Affen denke ich auch, dass die Filme an sich an Wirkung verlieren werden, aber allein aus technischer Sicht dürfte man beim Betrachten des Durchbruchs von Motion Capture nicht über ihn hinwegsehen. Ebenso wie ein Avatar unter dem Gesichtspunkt der technischen und visuellen Fortschritte wohl unvergessen bleiben dürfte, so durchschnittlich ich ihn auch finde.

      Gut, The Grand Budapest Hotel ist sicherlich Geschmackssache, aber ich denke das gerade er Wes Anderson dem breiteren Publikum bekannter und zugänglicher gemacht hat (meines Empfindens nach). Welcher Film am Ende für Wes Anderson einmal stehen wird, ist da sicherlich nicht sehr eindeutig.

      Blade Runner 2049 ist wieder ein Fall dafür, dass er hoffentlich mit der Zeit reifen und an Anerkennung gewinnen wird. Außerdem steht der Name Denis Villeneuve hinter dem Film und das wird hoffentlich noch einer, den wir oft genug hören werden.

      Call Me by Your Name und Three Billboards sehe ich es wieder ähnlich wie bei Moonlight oder Get Out, dass sie einfach den Zeitgeist gut treffen und aus diesem Grund haben sie vielleicht eine Chance. Für Three Billboards spricht dann vielleicht auch wieder der Regisseur, Martin McDonagh, der eine besondere Art von Filmen macht und der hoffentlich noch weitere gute Tage vor sich hat.

      Und Your Name… Gut damit wollte ich einfach noch etwas mehr Diversität hineinbringen 😀 Der könnte durchaus schon bald abgelöst werden.

      Auch wenn einige Filme nischig oder bereits nicht so bekannt sind, ist doch gerade da das Potential, diese noch vielen Leuten empfehlen zu können und statt dieses Argument negativ auszulegen, sehe ich daran eher das positive (wozu ich natürlich auch gezwungen bin 😀 )
      Besonders im Zeitalter des Streamings häufen sich die generischen, durchschnittlichen bis unterdurchschnittlichen Filme in einem Einheitsbrei und da wird man um jede Perle froh sein, die man noch für sich entdecken zu können. Natürlich kann man mir dieses Argument auch danach auslegen, dass gerade durch die zahllose Auswahl an hereinfliegenden Filmen auf den Plattformen diese ganzen Filme untergehen könnten, aber nur der Test der Zeit wird zeigen können ob sie es nicht doch schaffen, herauszustechen.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: