Kommentar: Entwicklung des Blockbuster-Kinos

Wenn man sich die Liste der erfolgreichsten Filme des Jahres 2018 so anschaut, findet man dort die ganzen großen Marken wie Phantastische Tierwesen, Avengers: Infinity War, Fifty Shades of Grey, Jurassic World 2 und viele mehr. Man wird kaum noch Blockbuster finden, die keinem großen Franchise angehören. Auch wenn man jetzt Richtung 2019 blickt, werden sich eine große Anzahl der Kinostarts zu den ganzen Reboots, Remakes, Prequels, Sequels und Spin-offs dazugesellen:

Creed II (8. Teil im Rocky-Kanon), Captain Marvel (21. Film des MCU), Avengers: Endgame (weiterer MCU-Film), Aladdin (Remake), Godzilla 2, X-Men: Dark Phoenix, Men in Black-Spin-off, Spider-Man: Far from Home (2. Teil des bereits 3. Reboots), Fast and the Furious-Spin-off, König der Löwen (Remake), Toy Story 4, Frozen 2, Star Wars: Episode IX und und und …

Da stellt sich die Frage: Mangelt es dem Blockbuster-Kino an Originalität?

Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die Produktionsstudios immer mehr auf Nummer sicher gehen. Sie stecken ihr ganzes Geld in die bereits bestehenden Franchises, aber wie kann man ihnen da einen Vorwurf machen, schließlich gehen sie damit ein sehr geringes Risiko ein für einen sicheren Gewinn. Besonders die Vorreiterstellung von Disney wird immer beängstigender. Mit Marken wie Star Wars, Marvel Cinematic Universe (MCU), Pixar und den ganzen alten Animationsfilmen die sich mit den heutigen Mitteln hochwertig real verfilmen lassen, sind sie extrem breit aufgestellt und dominieren Jahr für Jahr den Markt. Es lässt sich bereits jetzt vorhersagen, dass zum Beispiel die Realverfilmung von König der Löwen durch die Decke gehen und über 1 Milliarde $ einspielen wird. Hinzu kommt Avengers: Endgame, der sicher nicht viel weniger erfolgreich und dort bei seinem Vorgänger Infinity War anknüpfen wird (dem erfolgreichsten Film 2018 mit 2 Milliarden $). Desweiteren wird die Realverfilmung von Aladdin nicht zu vernachlässigen sein, vom Sequel zu Frozen mal ganz zu schweigen.

Diese Filmuniversen werden immer weiter ausgedehnt und aufgebläht um immer mehr Geld daraus zu ziehen, jedoch wird eigentlich nichts Neues erzählt und in den meisten Fällen ist es gar unnötig eine Geschichte weiter auszuführen, anstatt sie einfach abgeschlossen ruhen zu lassen.

Es ist bedauerlich zu sehen, dass den großen Studios immer mehr der Mut fehlt, Geld in neue, kreative Ideen fließen und den Filmemachern künstlichere Freiheiten zu lassen.
Solo: A Star Wars Story hat es im letzten Jahr ausdrücklich gezeigt, als mitten in der Vorproduktion die Regisseure Phil Lord und Christopher Miller ausgetauscht und durch Ron Howard ersetzt wurden. Sie hatten eine ganz andere, neue Herangehensweise für den Film, die den Produzenten nicht gefiel und schließlich kam durch den Tausch ein sehr runder Blockbuster dabei raus, der sicher nicht so schlecht ist, wie er von vielen gemacht wird, den es aber sicherlich so in dieser Version nicht gebraucht hätte. Er floppte krass und war ein herber Rückschlag für Disney, die in Folge dessen ihre Pläne für das Star Wars-Franchise etwas zurückschraubten und die Realisierung von weiteren bereits angekündigten Spin-offs nun fraglich ist.

Außerdem fehlt es in meinen Augen nicht nur an Originalität, sondern auch die Qualität fällt immer weiter herab. Natürlich ist das sehr subjektiv und ich kann nur für mich sprechen, klar ist auch das eine gewisse Qualität einigen Filmen nicht abzusprechen ist, jedoch stellt sich da die Frage, ob man nicht bei mehreren 100 Millionen $ Produktionskosten auch noch mehr Substanz verlangen kann. Schließlich ist es weniger bewundernswert bei diesem Budget schöne Bilder zu haben die zu erwarten sind, aber oft ist dahinter bloß eine alte ausgeleierte Formel, die zwar funktioniert, jedoch nicht mehr viel Substanz bietet. Es bleibt nichts mehr hängen und da erwarte ich einfach mehr als immer die gleichen Gags, den immer gleichen Figuren und Actionszenen mit denen man zugeballert wird. Ich erinnere mich kaum an einen Blockbuster aus dem ich hinausgegangen bin und mir noch groß etwas im Gedächtnis geblieben ist von der Story oder gar von irgendeiner Szene. Alles vermischt sich über die Zeit zu demselben Einheitsbrei des Blockbuster-Kinos. Mir ist bewusst das es den meisten reicht, zu wissen was man bekommt und 2 Stunden lang unterhalten zu werden um den hohen Preis der Kinotickets zu rechtfertigen, allerdings denke und hoffe ich, dass auf Dauer diese Blase der anspruchslosen Blockbuster platzen wird.

Mit einem Blick auf meine Topliste (Link) des letzten Jahres zeigt sich, dass aus diesem Segment kaum etwas bei mir hängen geblieben und vertreten ist. Einzig The Greatest Showman und Mission Impossible: Fallout haben starken Eindruck hinterlassen und besonders letzterer hat gezeigt, wie man aus einem 6. Teil den, meiner Meinung nach, besten Teil einer Filmreihe drehen kann. Er ist das beste Beispiel dafür, dass es auch noch mehr zu bestaunen gibt, als bloß seinen Unterhaltungswert. Seine Kamera- und Schnittarbeit sind bereits aller erste Klasse, aber es sind die einzigartigen Stunts, die den Film zu etwas Besonderem und zu einem Vorbild des Actionkinos machen. Statt auf Computereffekte zu setzen, setzt er vorwiegend auf unvergessliche Practical Effects und Einlagen von Tom Cruise und schummelt nur an sehr wenigen Stellen. So fraglich der Hauptdarsteller auch ist, sein Einsatz für das Actionkino ist bewundernswert.

Es sind die individuellen Freigeister, die es zu fördern gilt. Unter all diesen Franchises, die 2019 an den Start gehen, ist gerade der neue Quentin Tarantino-Streifen Once Upon A Time In Hollywood zu begrüßen. Ein Filmemacher mit seinem ganz eigenen Stil, der alle Freiheiten kriegt und genügend Budget bereitgestellt bekommt. Filme die für sich stehen und auch ohne direkt als Franchise geplant werden bevor sie überhaupt erst ausgestrahlt wurden (siehe aktuelles Beispiel: Mortal Engines: mehrere Filme waren geplant und bereits bestätigt, ist aber dann gefloppt – Budget: 100 Millionen $, Weltweite Einnahmen: 73 Millionen $). Der durchschnittliche Kinozuschauer ist dazu aufgerufen, auch kleineren Filmen mal den Vortritt zu geben und nicht weiter die Geldmaschinerie der großen Produktionsfirmen, allen voran Disney, auch noch zu unterstützen und zu legitimieren. Damit diese zu mehr Mut gezwungen sind, sollte auch der Zuschauer den Mut haben, mehr zu erwarten und den Anspruch zu erhöhen.

Es ist an der Zeit, neue Geschichten zu erzählen.

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